Bei BMW spricht man über Elektromobilität – und Apps.

bmw i ventures

Kurz nach der Markteinführung eines neuen Elektro-Stadtwagens hat BMW zu einer Veranstaltung zum Thema „Mobilität, die vieles verändert“ in Berlin Mitte geladen. Dort sprachen der Botschafter der USA John B. Emerson (begeistert) und die Berliner Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung Cornelia Yzer (politisch korrekt zurückhaltend) über den Erfolg der Elektromobilität in Deutschland (und natürlich den neuen Beitrag von BMW hierzu). Außerdem diskutierten in einem ungewöhnlich besetzen Trilog der chinesische Botschafter Shi Mingde, die kalifornische Ex-Politikerin Christine Kehoe und Rainer Bomba (Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung) über Erfolgsfaktoren der Elektromobilität. Bei dieser Veranstaltung war es natürlich nicht überraschend, dass die Moderatorin mehrfach auf die kalifornische staatliche Zulage zum Elektroauto-Kauf und ihre Adaption auf Deutschland lenkte, während Bomba die Diskussion auf mögliche weiche Faktoren der Förderung – wie es z.B. besondere Parkrechte wären – schwenkte. Auch konnte es sich Bomba nicht nehmen über seine sensationell-positiven Erfahrungen mit Elektro-Vehikel zu berichten – die er im kalifornischen Werk von TESLA gesammelt hat (was sicherlich Atemaussetzer bei den Organisatoren im Hintergrund verursacht haben dürfte). Eine Äußerung machte der chinesische Botschafter Mingde wiederholt: China setzt beim dem Thema Elektromobilität erstmal einen Fokus auf Busse (und nicht auf PKW) – dies scheint eine Distanzierung von den bisher prognostizierten 5 Millionen Elektroautos im China des Jahres 2020 zu sein.

Doch warum schreibt Stadt 2punkt0 über diese Veranstaltung? Wegen der Nebendarsteller dieser Veranstaltung: Den Apps im Portfolio von BMW i Ventures.

BMW investiert in diese Apps anscheinend um in Zukunft ein weiteres Geschäftsfeld erfolgreich zu erschließen: Mobilitätsdienstleistungen. Das macht auch wohl Sinn, wenn man bedenkt wie oft wir bereits mobil im Internet unterwegs sind (vgl. ARD-ZDF-Onlinestudie): Es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis das Auto und der dazugehörige Fahrer dauerhaft online sind.

Altbekannt ist ja bereits eine Mobilitätsdienstleistung von BMW: DriveNow. Die App ermöglicht den Zugang zu einem in der Stadt verteiltem Carsharing-Pool mit minutengenauer Abrechnung. Diese Fahrzeuge können auf öffentlichen Parkplätzen überall im Geschäftsgebiet kostenlos abgestellt werden und sind mit der App verort- und buchbar. Dieses Carsharing-Modell wird bereits in Berlin, München, Düsseldorf, Köln und San Francisco angeboten. In der letztgenannten Stadt wird auch ParkNow angeboten: Diese App ermöglicht die Buchung eines Parkplatzes zu Beginn der Fahrt für den privaten PKW.

Mit BMW i Ventures hat BMW eine Wagniskapitalgesellschaft gegründet, die gezielt nach neuen Mobilitätsdienstleistungen Dritter (meist Apps) sucht und in Erfolg versprechende Projekte investiert. Dafür stehen dem Team um den recht jungen Managing Director Thorsten Mattig immerhin rund 100 Millionen Dollar zur Verfügung. Ziel ist es strategische Partnerschaften mit solchen Start-Ups früh zu schaffen: Schließlich möchte ein großer Autobauer auch im Social-Media-Zeitalter ganz vorn dabei sein.

Mit folgenden Projekten geht BMW i Ventures derzeit Kooperationen ein :

Life360 ist eine Mischung aus Nachrichten-App und Verortungsgerät (siehe Video). Als ideale Klientel wird eine Familie angegeben, die jederzeit den Aufenthaltsort voneinander wissen möchte. Was wie ein Alptraum klingt, kann für Eltern sicherlich ganz nützlich sein (während Teenager sicherlich die Ortungsfunktion beim Schwänzen zu ausschalten wissen). Ist die Tochter schon im Ballett? Ist der Sohnemann schon unterwegs nachhause? Kombiniert mit einer Nachrichtenfunktion entsteht so ein Familien-Management-Programm. Und muss die Mama mal ein Kind schnell abholen, so zeigt die eingebaute Routenführung den Weg dorthin an. Letztere Funktion ist sicherlich ein Grund, weshalb diese App als Mobilitätsdienstleistung für BMW interessant ist.

MyCityWay, ist ein kostenlose App im Reiseführer-Style die ortsbezogene Informationen in Echtzeit liefert. Von Öffnungszeiten, dem nächsten Friseur oder einem Restauranttipp bietet sie dem Smartphonenutzer ein breites Spektrum an Informationen, die die unmittelbare Umgebung betreffen.  Die App ist in über 70 verfügbar – auch in Deutschland (München, Berlin, Frankfurt).

ParkatmyHouse, ermöglicht es private Parkplätze zu mieten bzw. zu vermieten.  Es werden also Parkplätze auf privaten Grundstücken angeboten. Gleichzeitig können Hausbesitzer von Zusatzeinnahmen profitieren. Die meisten Parkplätze finden sich derzeit in London, man kann aber inzwischen nahezu überall Parkplätze mieten und anbieten. Allerdings gibt es derzeit in Berlin genau 2 private Anbieter in Spandau und Hellersdorf.

ChargePoint bietet einen Zugang zu über 14000 Aufladestationen für Elektroautos weltweit. Die Kombination von App und Chipkarte bietet eine Komplettlösung für Elektrofahrzeuge an. Von der Routenplanung bis zur Abrechnung. Das Angebot scheint sich derzeit besonders auf die USA zu konzentrieren. Interessant ist die Möglichkeit eine private Stromsäule zu erwerben und in das Netz kommerziell einzubinden.

Bemerkenswert ist, dass ChargePoint und PartatmyHouse zwei Mobilitätsprobleme (Parken und Aufladen) mit dezentralen Angeboten entschärfen möchten. Interessant ist auch, dass BMW sich für Apps interessiert, die nicht zwangsweise für Autofahrer gestaltet wurden (Life360 und MyCityWay). Noch ist das Portfolio von BMW i Ventures zu klein um eine eindeutige Strategie bei der Auswahl der Apps zu erkennen, weshalb Stadt2punkt0 Neuzugänge weiter beobachten wird.

Frage zum Thema: Werden Autos in Zukunft zum Iphone mit Rädern und macht dies unsere Städte nachhaltiger?