Vertical Forest in Mailand

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Die große Industriestadt im Norden Italiens hat überraschend viel für Freunde der Stadtplanung zu bieten: Einheitlich gestaltete Wohnquartiere wie Milano 2 (Bauzeit 1970-1979), QT8 (Bauzeit 1946- 1961), Bicocca (Bauzeit 1989 -2007) oder Milano Santa Giulia (Bauzeit 2005 – 2012) locken in die Außenbezirke Mailands und ermöglichen einen 3D Spaziergang durch Träume der Stadtplaner Ihrer Zeit.

Doch die Stadt ist nicht Müde Träume von Planern und Architekten wahr zu machen: Im äußerst zentralen Stadtteil Isola entstehen seit 2009 zwei Hochhäuser (vorwiegend Wohnungen) von knapp 90 und 120 Meter Höhe, deren massive Balkone mit 730 Bäumen zwischen 3 bis 6 Meter Höhe und weiteren Pflanzen ausgestattet werden. Ursprünglich plante das Architekten Team um Stefano Beori die Fassaden mit 900 Bäumen (und mehr) bis 9 Meter Höhe zu bepflanzen um eine Waldfläche von 10.000 Quadratmetern zu imitieren. Das 65 Millionen teure Projekt (ital. „bosco verticale“) ist weit fortgeschritten (siehe Bild), erste Bäume werden seit diesem Sommer verpflanzt. Noch kann man nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob die Bäume sich wirklich dauerhaft verwurzeln und das Grauwasser der Bewohner vertragen: erste Gerüchte gehen in der Stadt herum, dass die Bäume aufgrund ihrer zu großen Dimension bereits beginnen abzusterben. Ob hier in Zukunft wirklich ein kleines Mikroklima entsteht wird muss sich auch noch zeigen. Sollte das (sehr teure) Experiment allerdings glücken, könnte die vertikalen Stadtwälder den nachhaltigen Hochhausbau in urbanen Räumen revolutionieren: Vögel und Insekten könnten sich ansiedeln, Lärm/Abgase/Feinstaub gefiltert und das Klima in den Häusern durch die Schattenbildung im Sommer reguliert werden. Sollten die Pflanzenwelt nicht wie erhofft blühen wird Mailand mit zwei ziemlich hässlichen, schwarzen Betonmonster vernarbt. Wir bleiben daher lieber positiv.

Innovationspotential für die Stadt der Zukunft: ***** (5 Sterne)

Frage zum Thema:  Sind extrem begrünte Fassaden die Lösung zum Ausgleich der schwierigen ökologischen Bedingungen denen Bewohner urbaner Räume ausgeliefert sind? Oder sind vertikale Stadtwälder doch nur mehr schein als sein?

Ein Gedanke zu “Vertical Forest in Mailand

  1. Der Name ‚Bosco Verticale‘ ist ein schöner Marketing-Gag. Was ist denn daran ein Wald, ein Bosco? Die Architekten haben Wald mit einer Ansammlung von Bäumen ‚verwechselt‘ und diese dann auch noch voneinander getrennt übereinander gestapelt. Ein Wald-Ökosystem ist völlig unmöglich.
    Übrig bleibt ein vertikaler Park. Immerhin, das ist in einer so extrem verdichteten Stadt wie Milano auch schon mal etwas.
    Die ökologischen Ziele wie Verschattung, Lebensraum für Insekten und Vögel, Luft-Regulierung wären aber mit ganz altmodischen Methoden wie Kletterpflanzen oder – für Mailand typisch – mit Dachgärten mindestens ebenso gut erreichbar. Und da wären die Pflanzen wenigstens an die Umweltbedingungen angepasst.
    Fazit für mich: eine witzige Idee für teures Wohnen, aber es kommt über eine herkömmliche Fassadenbegrünung oder – wie beim Physik-Institut der HU Berlin – eine vorgehängte Begrünung nicht hinaus.

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