Recyceltes Raumerlebnis.

EingangsschildIMG_4797IMG_4798 Eine Stadt ist wie eine Künstlerin. Um auf der Höhe der Zeit zu bleiben muss sie sich immer wieder neu erfinden. Das gilt selbst für eine Metropole wie New York. Und wenn Sie alles richtig macht, kann eine alte Diva wie diese Stadt wieder zum Vorbild für neue urbane Trends werden. Mit dem 2009 eröffneten High-Line-Park ist New York wieder so eine Neuerfindung gelungen. Dabei wurde hier eigentlich nicht wirklich etwas neu erfunden, sondern 2 Komponenten – eine hochliegendes, zentrales Gleisbett und ein Stadtpark – zu einem neuen Raumerlebnis recycelt. Dieses neue Raumempfinden wird nicht nur durch die Gestaltung des über 2 km langen Bahnparks selbst, sondern auch durch einen neuen Blickwinkel erzeugt, mit dem man sich durch diese Stadt nun bewegen kann. Die neue Ebene trennt den Spaziergänger visuell und teilweise auch akustisch vom Straßenverkehr ab, eine Erleichterung im sonst so stressigen Alltag des New Yorkers. Trotz dieser Trennung fühlt man sich hier der Stadt besonders nah, da der Schleichpfad viele Hinterhöfe erschließt und somit viel persönlicher wirkt als ein Gang auf der 5th Avenue. Seit dem 20. September 2014 beginnt der nun erweiterte Park in einem von Gleisanlagen, Industrieflächen und Baustellen dominierten kahl-tristen Bereich von Midtown-Manhattan (34th Street) und zieht sich über das schicke Chelsea bis zum hippen Meat-Packing-District (Gansevoort Street). Hier werden sicherlich keine echten Problemviertel aufgewertet, sondern anliegende Bauprojekte massiv aufgewertet, aber dennoch: als Leuchtturm-Projekt hat der High-Line-Park eine berechtigte Position im Repertoire der urbanen Innovationen. Als Inspiration für andere Stadtverwaltung sich mit ihren durch den Wandel der Zeit verjährten Konstruktionen zu beschäftigen und eine gefragte, kreative Nachnutzung zu ermöglichen. Ein Leuchtturm-Projekt ist der High-Line-Park vor allem auch deshalb, weil hier der Gegensatz zum umgebenden urbanen Raum so stark ist und auch weil 5 Millionen Besucher jährlich diesen Park tatsächlich erblicken. Denn streng genommen ist der High-Line-Park nicht der erste Park auf einem Verkehrsviadukt: Die „Promenade Plantée“ zieht sich zum Beispiel schon seit 1993 auf über 5 km Länge durch das 12. Arrondissement von Paris. New York hat hier gut kopiert. Betrieben wird der sich im städtischen Eigentum befindliche Park übrigens von einem Bürgerverein namens „Friends of the High Line“, der auch die jährlichen Unterhaltskosten in Höhe von 12 Millionen Dollar durch Spenden auftreibt. Das sind sehr gut betuchte Freunde. Ein passender Freundeskreis für eine Diva wie New York.

IMG_4799
IMG_4800
IMG_4807
IMG_4814