U-Bahn-Karte. Reinvented.

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Der amerikanische Kartograph Tyler Mitchell beschrieb einst bildhaft: „Karten funktionieren wie ein Mikroskop, nur andersherum, es sind sozusagen Makroskope. Sie geben uns die Möglichkeit, Zusammenhänge zu erkennen, die wir sonst nicht sehen können. Selbst wenn wir in einem Flugzeug sitzen, können wir z. B. nicht ohne Weiteres die Geologie unter der Erdoberfläche sehen, die Verteilung der Einwohner in einer Stadt oder die Lärmbelastung durch einen Flughafen. Das alles sind Dinge, die erst durch Karten begreifbar werden.“

Die sichtbare Verbindung von Information und Ort, die Mitchell beschreibt, ist der entscheidende Aspekt einer Karte: Informationen werden dazu selektiert, schematisiert und generalisiert. Dabei kann es passieren, dass Informationen verzerrt werden. Eine U-Bahn-Karte ist da ein extremes Beispiel. Die Abstände der einzelnen Stationen haben nur Wage etwas mit tatsächlichen Distanzen zu tun. (Aber eine Systematik wird deutlich.)

Das preisgekrönte Kreativ-Team AryJoeCreatives setzt hier an, und legt die Diskrepanz zwischen Abbildung und Realität sympathisch offen: Die #WalkLondon-Map fügt einfach die Gehdistanz zwischen den Stationen in Minuten mit ein. Einfach und doch genial. Ursprünglich wurde die Karte für die Tage während eines Streiks der öffentlichen Verkehrsmittel angefertigt. Aber nützlich ist sie auch wenn die U-Bahn fährt. Oft sind schließlich die Londoner U-Bahn-Waggons hoffnungslos überfüllt und unbequem (#schiefstehen). Da ist diese Karte als Tool sehr hilfreich. Mit einem kurzen Blick wird deutlich ob es lohnt sich unter Straßenniveau zu bewegen, oder die Beine zu schwingen. Manche Stationen liegen nämlich nur 2 Gehminuten voneinander entfernt.

London ist sicher nicht die einzige Stadt, die solch eine Karte gebrauchen kann. Wie lang läuft man in Berlin von der U-Bahnstation „Stadtmitte“ bis zur Station „Französische Straße“? Eben. 2 Minuten. Es wird Zeit, dass Berlin-Touristen dies auch von vornhinein wissen. Denn nichts ist so nachhaltig wie ein Spaziergang.

Bildquelle: AryJoeCreatives