Mobil vom Stadtzentrum bis zur Skipiste. Geht in der Schweiz in Zukunft alles mit einer Smartcard?

Alpen

Ein smartes Leben ohne Auto. Quasi ohne Hürde öffentlichen Nah- und Fernverkehr nutzen, landesweit:

Mit der Tram zum Züricher Bahnhof, dann mit dem Zug nach Lausanne, vom Bahnhof mit der Ubahn zum See und dann mit dem Miet-Bike weiter. Alles auf einer Karte.

Aufregend. Sogar ein Skipass und Carsharing sollen möglich sein. Diese Vision gibt es in der Schweiz seit 2001: „Easy Ride“ heißt das Projekt. Eine Oystercard fürs ganze Land.

Jene Oystercard, die bereits seit über 10 Jahren in der Londoner U-Bahn das unabdingbare Accessoire Nr.1 ist. Mit dieser Chipkarte kann man (inklusive Piep-Ton) in U-Bahn-Stationen oder Busse einchecken. Ein relativ simples Tarif-System berechnet am Ende der Fahrt wie viel Guthaben abgezogen wird. Abhängig von Strecke und Tageszeit. Häufiges Umsteigen im Bus wird teuer, genauso wie die Fahrt quer durch die Innenstadt. Oder man hat gleich ein Monats-Abo auf der Karte. Die Karte kann registriert werden und wird bei Diebstahl einfach gesperrt. Benutzerfreundlich ist dieses System alle mal, und sehr beliebt: 85 % aller Fahrten innerhalb Londons werden mit dieser Smartcard bezahlt, und mehr als 8 Millionen Karten werden regelmäßig genutzt. Rund 57 Millionen Fahrten werden jede Woche mit ihr verbucht.

Doch an der Stadtgrenze ist Schluss. Nach Liverpool kommt man mit der Oystercard nicht.

In der Schweiz hingegen, könnte in Zukunft eine landesweite Nutzung möglich sein.

Doch das „Easy Ride“ Projekt macht deutlich, wie schwer die Umsetzung solcher Innovationen ist: Noch 2011 wurde die landesweite Umstellung auf eine E-Ticket-System bis 2030 prognostiziert, vor 2 Jahren wurde das Projekt dann doch eingestellt. Zu uneinheitlich sind die etlichen Tarifsysteme in der Schweiz. Die Angst vor Falschabbuchungen ist groß. Zu viele Daten würden erfasst werden: Die Kunden wollen nicht gläsern werden, die Big Data Problematik lässt grüßen.

Und jetzt? Es geht doch weiter – mit einem nationalen Zwischenprojekt: Dem „Swiss Pass“. Der existiert bereits für ausländische Fahrgäste, die bis zu einem Monat lang (nahezu) sämtliche Züge, Trams, Busse und Schiffe nutzen können. Ab August 2015 werden für Schweizer Fahrgäste auch zwei wichtige Abonnements, die der Bahncard 100 (Generalabonnement) und Bahncard 50 (Halbtaxabonnement) entsprechen, auf der Karte gespeichert werden können. Bis 2016 sollen auch weitere Angebote wie Carsharing, Skipässe und Streckenabonnements hinzukommen. Doch aus Datenschutzgründen speichert die Karte nur Name, Vorname und eine Identifikationsnummer. Das macht das Projekt natürlich weniger smart. Trotzdem sieht die Schweizer Eisenbahngesellschaft SBB den „Swiss Pass“ als Testphase für „Easy Ride“. Sollten die Erfahrungen positiv sein, wird eine einheitliche Karte für das ganze Land nicht nur Zukunftsmusik sein.

Was das Projekt zeigt ist: Es gibt große Visionen für eine unbegrenzte Nutzung von Nahverkehr. Und zwar nicht irgendwo in Asien, sondern direkt vor unserer Haustür. Doch man sieht gleichzeitig: Solche Innovationen haben es schwer. Fragen rund um den Datenschutz und um Preis-Transparenz müssen eindeutig geklärt werden. Den Innovationen brauchen vor allem eins: Das Vertrauen der Bürger.

Mehr Informationen:   NZZ-Artikel vom 22.01.2015      NEWS.CH-Artikel vom 22.11.2013